Rund 5.000 Kinder und Jugendliche in Österreich leben mit einer lebensverkürzenden Erkrankung. Am internationalen Kindertag, dem 1. Juni 2026, haben Hospiz- und Palliativeinrichtungen aus dem ganzen Land diesem Thema gemeinsam Sichtbarkeit gegeben – mit einem großen Aktionstag in Wien und Veranstaltungen in allen Bundesländern.
Der Fürstenhof des Wiener MuseumsQuartiers war an diesem Montag kein gewöhnlicher Platz. Riesige Seifenblasen stiegen in die Luft, Kinder wurden geschminkt, Lena Raumbaum las und performte ihr Kinderbuch Ungalli, der Original Wiener Praterkasperl brachte Groß und Klein zum Lachen – und dazwischen standen Menschen, die täglich mit dem Schwersten umgehen, das Familien treffen kann: dem Wissen, dass ihr Kind nicht gesund werden wird. Der Österreichische Kinderhospiz- und Palliativtag machte aus einem Platz mitten in Wien für einen Tag lang einen Ort des Zuhörens, der Begegnung und der Solidarität.
Erstmals: Wien gemeinsam
Was 2026 neu war: Acht Wiener Einrichtungen und Kinderburg mobil gestalteten den Aktionstag gemeinsam mit HOSPIZ ÖSTERREICH – das hatte es bisher nicht gegeben. FRIDOLINA Kinderpflegedomizil, Kinderbetreuung Daheim Plus, Kinderhospiz Netz, Lichtblickhof, MOKI Wien, MOMO Kinderpalliativzentrum, Roter Anker sowie St. Anna Kinderspital und Kinderkrebshilfe Wien-NÖ-Bgld zogen an einem Strang, um zu zeigen, was sie Tag für Tag leisten – und was noch fehlt.
Jede Einrichtung brachte ihre eigene Handschrift in das Programm ein. Wer wollte, konnte beim Fridolina Kinderpflegedomizil sogenannte „Mut-Tiere“ malen, beim Team von Kinderbetreuung Daheim Plus basteln oder sich vom Kinderhospiz Netz schminken lassen. Das MOMO Kinderpalliativzentrum lud mit einer Fotobox und dem Gestalten von Erinnerungsschachteln dazu ein, innezuhalten. Der Lichtblickhof kam mit einem Pony und gab Kindern „Krafttiere“ mit auf den Weg, St. Anna Kinderspital und Kinderkrebshilfe Wien-NÖ-Bgld luden zum Zaubern ein. Popcorn und schlumpfblaue Zuckerwatte sorgen für Gaumenfreuden … Zwischen all dem fand sich Information und Beratung, Familien konnten das Gespräch suchen – niederschwellig, auf Augenhöhe.
Das Wetter spielte zwar nicht immer mit, der Erfolg des Tages aber schon. Zahlreiche Familien, Interessierte, Unterstützerinnen und Unterstützer nutzten die Gelegenheit, sich zu treffen, auszutauschen und gemeinsam ein Zeichen zu setzen.
Festakt mit politischer Botschaft
Der Höhepunkt des Tages war der Festakt, bei dem neben Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Zivilgesellschaft auch der deutsche Kinderlebenslauf in Wien Station machte: Das Starterkind Mira übergab eine Fackel als Symbol der Verbundenheit an HOSPIZ ÖSTERREICH – ein bewegender Moment, der die grenzüberschreitende Dimension der Kinderhospizarbeit sichtbar machte.
Bezirksobmann Markus Reiter freute sich, dass dieser wichtige Aktionstag in seinem Bezirk stattfand. Gemeinderat Alexander Ackerl betonte die Bedeutung der Kinderhospizarbeit für Wien und verwies auf konkrete Initiativen zur Unterstützung betroffener Familien. Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig hob hervor, wie gut das MQ als Ort zum Anliegen des Tages passt, und unterstrich die Verantwortung der Politik, für gute Versorgung zu sorgen.
Barbara Schwarz, Präsidentin von HOSPIZ ÖSTERREICH, brachte das Anliegen des Tages auf den Punkt: „Nicht nur die Politik muss Strukturen schaffen. Auch die Gesellschaft trägt Verantwortung. Kinder mit lebensverkürzender Erkrankung und ihre Familien brauchen Unterstützung, Verständnis und echte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.“
Österreich bewegt sich – von Kufstein bis Vösendorf
Der Aktionstag im MQ war eines von zahlreichen Events des österreichweiten Tages. In vielen Bundesländern gingen Einrichtungen auf die Straße, in Einkaufszentren, Kliniken und Naturräume – um das Thema dorthin zu bringen, wo die Menschen sind.
In Niederösterreich organisierten der Landesverband Hospiz NÖ, die KI-JU-PALL-Teams von MOKI NÖ und die Abteilung Kinder- und Jugendheilkunde des Landesklinikums Mödling gleich mehrere Aktionen – im Westfield SCS in Vösendorf ebenso wie im City Center Wieselburg. Das Grundanliegen des Tages: Kinder, die schwer erkrankt sind, brauchen Nähe, Geborgenheit und das Gefühl, gesehen zu werden.
In Tirol spannte die Koordinationsstelle Hospiz- und Palliativversorgung Tirol einen weiten Bogen: Eine Aktionswoche in der Kinderklinik Innsbruck leitete die Woche ein, am 31. Mai folgte ein Kinderprogramm auf dem Areal der Burgenwelt Ehrenberg in Reutte. Am 1. Juni selbst wartete im Alpenzoo Innsbruck ein Familiennachmittag mit Infoprogramm, Rote-Nasen-Clowndoctors und einer exklusiven Zooführung – bei freiem Eintritt für betroffene Familien. Gleichzeitig gab es Aktionen in Lienz und im Bezirkskrankenhaus Kufstein. Kinderhospiz- und Palliativversorgung bietet in einer Ausnahmesituation nicht nur medizinische Unterstützung, sondern vor allem Nähe, Würde und Menschlichkeit.
In der Steiermark hatte bereits am 29. Mai das Mobile Kinder-Palliativteam zu einer Informationsveranstaltung im LKH Hochsteiermark in Leoben eingeladen und im Burgenland veranstaltete der Sterntalerhof auch am 29. Mai ein Sommerfest
In Kärnten lud der Kärntner Landesverband auf den Rathausplatz in Villach zu Information und Kinderspass, in Salzburg gab es am 1.6. einen Begegnungsnachmittag des QuOaLa-Teams. In Vorarlberg gab es ein Charity-Event am Garnmarkt mit Musik, Charity Heroes, Begegnung & Solidarität für HOKI.
Die Seifenblase als Symbol
Das Bild, das sich durch den gesamten Aktionstag zog, war die Seifenblase: schimmernd, zart, vergänglich – und doch für einen Moment von unvergleichlicher Schönheit. HOSPIZ ÖSTERREICH wählte dieses Symbol bewusst für den Kinderhospiz- und Palliativtag. Vergänglichkeit und Schönheit schließen einander nicht aus, sagte Petra Kozisnik, Geschäftsführerin des Landesverbands Hospiz NÖ: Genau das ist die Botschaft – ein Leben mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung kann trotz allem ein Leben voller Würde, Freude und Tiefe sein.
Was HOSPIZ ÖSTERREICH für 2026 fordert
Der Aktionstag war nicht nur Fest und Begegnung, sondern auch politisches Signal. HOSPIZ ÖSTERREICH formuliert für 2026 drei klare Anliegen:
- Erstens setzt sich der Dachverband den weiteren Ausbau stationärer Kinderhospizangebote und eine bundesländerübergreifende Abstimmung ein, damit entsprechende Angebote für Familien aus ganz Österreich erreichbar werden.
- Zweitens soll die Hospiz- und Palliativversorgung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zukunftsfit weiterentwickelt werden – mit besonderem Augenmerk auf soziale Teilhabe sowie Bildung- und Integration.
- Drittens fordert HOSPIZ ÖSTERREICH mehr Transparenz und einen verbesserten Zugang zu den Daten der österreichweiten Hospiz und Palliative Care, um wissenschaftliche Forschung, Evaluierung und eine bedarfsgerechte Planung zu ermöglichen.
Ein Tag, der Spuren hinterlässt
Österreich hat heute 40 spezialisierte pädiatrische Hospiz- und Palliativeinrichtungen – 16 Kinder-Hospizteams und 17 mobile Kinder-Palliativteams in allen Bundesländern, dazu fünf Standorte mit pädiatrischen Palliativbetten und zwei stationäre Kinder-Hospize. Das Netz wächst, aber es hat noch Lücken.
Der 1. Juni 2026 hat einmal mehr gezeigt: Die Bereitschaft, hinzusehen und zuzuhören, ist da. Seifenblasen, Kasperl-Theater und Zooführungen – all das mag leicht klingen. Aber hinter jedem Lachen an diesem Tag steckt eine Familie, die weiß, wie kostbar Zeit ist. Genau dafür steht der Österreichische Kinderhospiz- und Palliativtag: für Raum und Zeit – für Leben und Sterben.
Wir bedanken uns herzlich bei unseren Kooperationspartnern:
MuseumsQuartier Wien, ZOOM Kindermuseum, WIENXTRA, Dschungel Wien sowie den Hallen E+G.
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